Geplant war ein Sozialprojekt, Textilkunst ist entstanden.
Christine Holler (Brigitte 1/2002)
Stundenlang kann das Auge auf einem Quilt spazierengehen und entdeckt immer wieder neue Muster und Linien von der Hand der bosnischen Quilterinnen.
Helga Bittner (Neuß-Grevenbroicher Zeitung, 26.1.2002)
Dieses ungewöhnliche Projekt der gestalterischen Zusammenarbeit einer Künstlerin mit Laien, der Zusammenführung zweier Kulturen, einer christlich und einer muslimisch geprãgten, hat eine unerschöpfliche Vielfalt des Theams 'Flãche und Linie' im textilen Medium hervorgebracht.
Helene Blum-Spicker (Textilkunst/Alfeld 4/2001)
Die wichtigste Botschaft (des Buchs "Vernãhte Zeit") stellen die strahlenden, lebendigen und harmonischen Bosna Quilts mit ihren komplexen Farbzusammenstellungen dar, mit ihren Furchen und Verdickungen, mit ihren einfachen und wilden, braven und eigensinnigen Stichen.
Textilforum/Hannover, 1/2001
Viele Leute hier (in Bosnien) warten auf ein Wunder. Das wird nie eintreten, wenn man nicht selbst mit Projekten wie den Bosna Quilts, die auch so etwas wie Eigeninitiative darstellen, beginnt und weitermacht.
Wolfgang Petritsch (in einem ORF-Interview in Sarajevo, 24.11.2001)
Petra Berners: Also steht ... der Krieg im ehemaligen Jugoslawien nicht im Vordergrund?
Lucia Feinig-Giesinger: Ich wollte keine Mitleidsgeschichte. Die wãre auch nicht lãnger als ein halbes Jahr auf Interesse gestossen. Mir ist es lieber, die Menschen kommen wegen der schönen Quilts und erfahren dabei den Grund ihrer Entstehung. Sie sind aus einem traurigen Grund entstanden. Aber die Botschaft ist, dass auf schlechtem Boden noch etwas Erstaunliches entstehen kann.
Der Westallgãuer, 4.7.2001
Lucia Feinig lieferte die Entwürfe, die Ausführung blieb den Bosnierinnen überlassen. Und dieses überlassenwerden macht auch den großen Reiz der Bosna Quilts aus. Auf den minimalistischen Entwürfen hinterlassen die bosnischen Frauen ihre ganz subjektiven Handschriften.
Edith Schlocker (Tiroler Tageszeitung, 2.3.2000)
Novi stan u kuci umjetnosti [Eine neue Wohnung im Haus der Kunst].
Zdenka Brajkovic (Oslobodenje, 2.7.2000)
Künstlerische Traditionen gehen nicht nur verloren. Dann und wann, da und dort, entstehen auch neue. Quilts, Patchwork-Decken, sind in vielen Kulturen bekannt. Der Bosna Quilt aber ist ein neues Phãnomen. Formal, vor allem aber sozial.
Die Malerin hatte eine eine einfach gemusterte, mehrschichtige, sparsam gesteppte Decke aus der Dritten Welt gesehen. Was ihr daraufhin einfiel, war eine grandiose Idee: Sie könnte Quilts entwerfen - und die bosnischen Flüchtlingsfrauen könnten sie nãhen und dabei Eigenes einbringen. Beim Quilt sind die Nãhte, die Stiche Teil des schöpferischen Prozesses.
So entstand etwas Wunderschönes, eine neue kunsthandwerkliche Tradition.
Wie sie sich wohl weiterentwickeln mag? Die Entwürfe stammen nach wie vor von Lucia Feinig-Giesinger. Jeder Quilt ist ein Stück abstrakte Kunst, handwerklich erzeugt. Kann daraus eine selbsttragende Tradition werden? Lãsst sich, wenn sie von Dauer ist, das Abrutschen ins Gefãllige verhindern? Bahnt sich eine neuartige Kooperation zwischen Kunst und lokalem Handwerk an? Die weitere Geschichte der Bosna Quilts kann noch sehr spannend werden.
Helmut Butterweck (Die Furche, 6/2000)
Der Betrachter wird angezogen von einer ungemeinen Dynamik, einer Lebendigkeit, die das Werk überzieht. Die Arbeit der Künstlerin, die mit Stoffen malt, Farbflãchen erzeugt, wird fest vernetzt mit dem, was die Nãherin zusãtzlich daraus entwickelt.
Christa Dietrich (Vorarlberger Nachrichten, 25.11.2000)
Bosna Quilts sind Protokolle gelebter Solidaritãt und Signale für die Respektierung der Menschenrechte, verfasst mit Nadel und Faden.
Die Teamarbeit hat nicht zuletzt auch das Leben der Künstlerin Lucia Feinig-Giesinger verãndert. In Variation des Beuysschen Kunstbegriffs, dass jeder ein Künstler sei, entstand aus der Arbeit mehrerer am Ende ein künstlerisches Produkt, ein Produkt des künstlerischen Dialogs.
Isabella Ackerl (Austria Bundespressedienst, 11/1999)
Hunderte gemeinsam erarbeitete Kunstwerke, jedes für sich mit einer eigenen Geschichte, die von ihren Schöpferinnen erzãhlt. Und davon, wie ihnen dieses Projekt Würde, Selbstbewusstsein und Hoffnung wiedergab.
Josef Kirchengast (Der Standard, 20.11.1999)
Kunst kann eine soziale Funktion haben, die weit über das bekannte, passive Werk-Betrachter -Verhãltnis hinausgeht.
(Bei den Bosna Quilts) findet Selbstwerdung statt. Aber nicht im Sinne von Vereinzelung, sondern im Sinne von Solidarisierung Verflechtung und Erneuerung. Und: 'It's all about joy and beauty', wie Christo sagt - es geht hier immer um Freude und Schönheit.
Eva S.-Sturm (Kunstvermittlerin, Wien - Hamburg),1999
"Vernãhte Zeit" erzãhlt und begleitet in eindrucksvollen Schwarz-weiß-Fotografien das Leben und Arbeiten der bosnischen Frauen und ihrer Familien im Vorarlberger Flüchtlingsheim und nach ihrer Rückkehr in das zerstörte Gorazde im vergangenen Jahr.
Dagegen strahlen die bunten Quilts eine fast unbeschwerte Fröhlichkeit aus. Ab und zu sind auf der einen großformatigen Seite die Patchworkdecken und auf der daneben die Frauen bei der Nãharbeit zu sehen - stolz, nachdenklich, in die Arbeit versunken.
Vor dem umfangreichen Bildteil die Geschichte einer Annãherung zwischen Ost und West, das Entstehen von Freundschaften, die Geschichte Bosniens.
Lucia Feinig-Giesinger sieht das Buch nicht als Abschluss ihrer Arbeit mit den bosnischen Frauen, sie möchte mit ihnen weiterarbeiten."
Susanne Högl (Südkurier/Konstanz, 25.11.1999)
Kunstbuch und Zeitdokument in einem.
Gunther Nething (Stuttgarter Zeitung , 4.11.1999)
"Vernãhte Zeit" zeigt sehr schön, wie Literatur und Kunst in den Zonen der Bedrohung funktionieren können.
Wendelin Schmidt-Dengler (Kultur/Dornbirn, 10/1999)
Selten hat Kunst so viel mit den Menschen zu tun gehabt, war so (überlebens)wichtig wie bei den Bosna Quilts.
Brigitte Kompatscher (Neue Vorarlberger Tageszeitung, 14.11.1999)
"Vernãhte Zeit" - ein schönes Buch zur rechten Zeit.
Johann Marte (österr. Nationalbibliothek, 27.10.1999)
Wenn wir "losa" können, dann hören wir Leidvolles und Freudiges aus den Quilts. Diese Kunstwerke sind auch ein Instrument der Trauerüberwindung.
Robert Allgãuer (Verleger, Eröffnungsansprache Balzers FL, 5.10.1998)
Bosna Quilts sind aus dem Stoff, aus dem die Trãume sind.
Der Bosna Quilt, wie er hier an der Wand hãngt, kehrt uns seine Tagseite zu. Verbunden sind diese Schichten, die wir bei Tag sehen, um den Preis der Nacht, der Rückseite, die die Nadel bei jedem Stich passieren muss, des Schattens. Die Nadel portioniert den Schatten, der bei den bosnischen Flüchtlingen Schrecken und Entsetzen unvorstellbaren Ausmaßes verbirgt, sie wiegt ihn auf mit dem Angebot des Tageslichts bei jedem Stich.
Birgit Waldenberger (Psychotherapeutin, Finissagerede Rankweil, 9.11.1997)
Mich erinnern die Bosna Quilts an ein prophetisches Wort von K. M. Grimme, das vor Jahrzehnten im Museum des 20. Jahrhunderts in Wien bei einer Eröffnung im Hinblick auf künftige Kunst gesprochen wurde: Es werde "eine Kunst der Mitwirkung sein" und des Zusammenwirkens. Die Botschaft der Kunst liegt zuletzt immer in der Art und Besonderheit, in der sie realisiert wird und ihre kommunikative Konkretisierung findet.
Herbert Muck (Akademie der Bildenden Künste, Wien, Brief vom 30.12.1996)
Aus einem Miteinander verschiedener Religionen und Kulturen kann etwas Wertvolles, eine Bereicherung entstehen, wenn gegenseitiges Wertschãtzen der Boden des Tuns ist. So ist dieses Projekt auch ein deutliches Zeichen gegen jenen Ungeist, der das Trennende propagiert, der Grenzen aufrichten will und Mauern zwischen Menschen.
Siegfried Schöch-Fitz (Caritas, Eröffnungsansprache Goldach SG, 13.2.1996)
Die Bosna Quilts sind mehr als schöne Steppdecken aus Vorarlberg. Die Bosna Quilts sind ein Stück Sarajevo, sie sind die Materialisierung der Geistigkeit des gelungenen Ineinanderwirkens verschiedener Konfessionen, Kulturen und Sprachen.
Ein Quilt ist ein Stückwerk aus verschiedenen Materialien, aus Phantasie, handwerklichem Geschick, aus praktischem Nutzen und über das Nützliche hinausgehender Freude am Schönen. Daher passt der Quilt auch besonders zur bosnischen Kultur, deren Untergang der vierjãhrige Bruderkrieg auch zum Ziel hatte.
Christine Haiden (Chefredakteurin 'Welt der Frau',Vernissagerede Wels, 7.12.1995)
...Es sind interkulturelle Blüten, die dem ethnischen Wahnsinn trotzen. In einem Erdreich aufgehend, über das der Stiefel getrampelt ist, wieder und noch immer trampelt.
Die Bosna Quilts stellen auch in künstlerischer Hinsicht Neues dar. Sie sind nãmlich nicht, wie man meinen könnte, aus gemalten, gezeichneten Entwürfen zustandegekommen, sondern vom Stoff her, je lãnger, je mehr. Hãngt nicht ihre wohltuende Ursprünglichkeit damit zusammen?
Von noch etwas Neuem ist zu berichten, mindestens so wichtig wie die ãsthetische Komponente: Vom sozialen Lernprozess, den die Bosna Quilt Werkstatt hinter sich hat. Wenn heute eine dieser Decken verkauft wird - so wenig wie möglich zu den Dumpingpreisen, die auf dem Textilmarkt dank der krassen internationalen Missstãnde bei Lohnkosten herrschen - dann verdient daran nicht nur die, die sie genãht hat: Jede Frau erhãlt ihren Anteil je nach Quantitãt und Qualitãt der von ihr geleisteten Arbeit.
Willibald Feinig (Salzburger Nachrichten, 21.12.1994)
Farben, Formen, beinahe monochrome Gedichte - die Welt der Quilts. In einer ehemaligen Garage des Flüchtlingsheims Galina wird die einstige Altkleiderverwertung armer Leute kunstsinnig zu neuer Blüte gebracht.
Christine Branz (Vorarlberger/Bregenz, 7.11.1995)
Durch ihre vielfãltigen und oft überraschend arrangierten Steppnãhte, die von den Frauen selbst erfunden werden, entstehen plastische Miniaturlandschaften und immer neue Lichtbrechungen.
Bosna Quilts sind keine kunstgewerblichen Objekte einer good-will-Aktion, sie sind wirkliche Kunstwerke, aus Tod und Elend entwachsen.
Neue Vorarlberger Tageszeitung, 23.6.1995
Das rationale Prinzip der künstlerischen Entwürfe wird reizvoll gebrochen, kommentiert durch das völlig intuitive, emotionale Tun der Bosnierinnen, die vorher nichts mit Kunst zu tun hatten.
Aus dieser eigenwilligen Kombination beziehen die Arbeiten auch jenen Reiz uneinordenbarer Ambivalenz, der die Bosna Quilts über alle industriellen Erzeugnisse hinaushebt.
Edith Schlocker (Tiroler Tageszeitung, 26.9.1995)
Der abgebildete Bosna Quilt von Lucia Feinig-Giesinger ist herrlich, voller Licht und Freude. Die Bosna Quilt-Homepage ist sehr interessant: Was für ein Zeichen der Hoffnung, dieses Engagement zusammen mit Frauen aus einem so schwer geprüften Land!
Frère Jean-Philippe, Communauté de Taizé (2004)